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Misteltherapie

Beschreibung

Die Mistel (Viscum album) ist eine Pflanze, die als Halb-Parasit auf Laub- und Nadelbäumen in Europa, Asien und Nordafrika wächst. Sie wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze für verschiedene Erkrankungen eingesetzt. Das aktuelle Interesse an der Mistel nahm seinen Anfang, als Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und der anthroposophischen Medizin, sie in den 1920er Jahren erstmals zur palliativen Krebstherapie vorschlug.

Seit den 1980er Jahren wird die Misteltherapie systematisch erforscht. Mistelextrakte enthalten mehrere arzneilich aktive Substanzen: Mistellektine, Viscotoxine, Flavonoide, Terpenoide, Alkaloide und Amine und die Zusammensetzung eines Extrakts variiert je nach Jahreszeit, Wirtsbaum, verwendeten Pflanzenteilen und Extraktionsverfahren.

Manche Präparate sind auf den Lektingehalt standardisiert (z.B. Lektinol®). Die Mistel ist deshalb auch als potentieller Wirkstoff gegen Tumorerkrankungen diskutiert und untersucht., weil die Extrakte in Zellmodellen Tumorzellen abtöten und in Zell- und Tiermodellen Immunzellen stimulieren können sowie Gefäßbildungen unterbinden können.

Aufgrund dieser Immun-aktivierenden Wirkung wurden Mistelpräparate als “Biological Response Modifier” (biologische Antwort-Modulatoren) eingestuft. 

Forschungsstand

Aktuell gibt es zu den auf dieser Seite behandelten Beschwerdebildern (Symptomen) keine Daten zur Mistel. Weiterführende Informationen sind auf Onkopedia zu finden.

Sicherheit/Dosierung

In Deutschland, der Schweiz und Österreich sind Mistelpräparate zugelassene Arzneimittel, die teilweise durch die Krankenversicherungen erstattet werden. Nach den Fachinformationen können Mistelextrakte als Zusatzbehandlungen bei bösartigen Erkrankungen zur Verbesserung der Lebensqualität und eventuell des Krankheitsverlaufes eingesetzt werden.

Üblicherweise wird der Mistelextrakt in das Unterhautfettgewebe gespritzt (subcutan injiziert), es gibt jedoch auch andere Einnahmeformen direkt in die Nähe der Krebszellen. Die Behandlungsschemata mit entweder konstanten oder variablen Dosierungen unterscheiden sich je nach Art des Extrakts. In den meisten Fällen werden 2- bis 3-mal wöchentlich subkutane Injektionen gegeben, wobei die Gesamtdauer der Therapie erheblich variiert. 

Als unerwünschte Wirkungen können leichte Schmerzen und Entzündungen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen sowie Fieber und Schüttelfrost auftreten. Es wurden wenige Fälle schwerer allergischer Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock berichtet.

Nach Herstellerangaben sind Mistelpräparate bei Fieber, Entzündungen, Hyperthyreose, Autoimmunerkrankungen oder Überempfindlichkeit gegenüber einem der Bestandteile zu meiden. Bei gleichzeitiger Behandlung mit anderen immunmodulierenden Arzneimitteln (z.B. Interferonen, Interleukinen) ist Vorsicht geboten. Bei Krebsarten, die eine Gehirnschwellung (zerebrales Ödem) verursachen oder bedingen, besteht ebenfalls eine Gegenanzeige.

Manche Warnhinweise und Kontraindikationen beziehen sich nur auf bestimmte Mistelpräparate. Weitere, für Lektinol® angegebene Gegenanzeigen sind maligne Melanome, Nierenzellkarzinome und maligne hämatologische Erkrankungen (bösartige Bluterkrankungen).

Zur Misteltherapie während der Schwangerschaft und Stillzeit stehen keine Daten zur Verfügung. Wechselwirkungen sind nicht bekannt. 

Service

Mistelextrakt-Anwendungen werden von verschiedenen Heilberufen angeboten. Werden die Präparate gut vertragen, kann die Applikation durch Patientinnen und Patienten nach Anleitung selbst durchgeführt werden. Da bei nicht fachkundiger Anwendung auch schwere unerwünschte Wirkungen aufgrund zu schneller oder zu hoher Dosierung möglich sind, sollte eine Anwendung nur durch ein erfahrenes Behandlungsteam durchgeführt werden. 

Die Kosten für Mistelextrakte variieren. In Deutschland kostet ein 2- bis 3-wöchiger Behandlungszyklus etwa 60 €.

Weiterführende Informationen zur Mistel erhalten Sie auf Onkopedia

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht und zuletzt am 30. July 2022 aktualisiert.


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