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Kompetenznetz KOKON

sich entspannen

Hintergrund:

Für viele Patientinnen und Patienten stellt die Krebserkrankung verständlicherweise eine große psychische Belastung dar und sie fühlen sich in ihrem Befinden eingeschränkt (Distress). Dabei ist Stress an sich ein innerer und vertrauter Aspekt des Lebens, der je nach Situation und Individuum anregend oder belastend sein kann.

Es ist ein Zusammenspiel von einem inneren oder äußeren Erlebnis (Reiz, Stressor), der je nach der eingeschätzten Bewältigbarkeit eine Reaktion im Gehirn auslöst (Stresswahrnehmung) und daraufhin der Körper natürlicherweise mit Kampf- oder Fluchtbereitschaft reagiert (Stressreaktion).

In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig zu verstehen, dass es vor allem die Stresswahrnehmung ist, also die subjektive Wahrnehmung, ob das Ereignis als kritisch und bewältigbar eingeschätzt wird, die das Ausmaß der biologischen Stressantwort und damit der empfundenen Belastung bestimmt. 

Die Biologie:

Eine kurzfristige Antwort auf einen äußeren Stressor dient der schnellen Anpassung an die neue Situation und ist schützend. Mit wenigen Ausnahmen, z.B. bei chronischen Schmerzen oder der Unfähigkeit, sich aus einer nicht bewältigbaren Stresssituation zu entfernen, bleibt es in der Tierwelt bei dieser akuten Reaktion, da Tiere nicht in der Lage sind, durch den Verstand einen in die Zukunft projizierten Stressor in der Gegenwart aufrechtzuerhalten.

Solche Gedanken können selbst wieder zu Stressoren werden und eine entsprechende biologische Antwort auslösen, da der Körper nicht zwischen tatsächlichen und gedachten Situationen unterscheidet. Wenn wir diesen Gedanken nicht aus dem Weg gehen, sie nicht verändern und auch keinen innerlichen Abstand zu ihnen gewinnen können, kann dies auch zu einer chronischen Stressantwort führen, die schädlich ist.

Über die Zeit kann dadurch eine Schwächung des Immunsystems sowie eine unterschwellige, chronische Entzündungsreaktion im Körper entstehen, die beide die Entstehung und das Fortschreiten von chronischen Erkrankungen und Krebserkrankungen begünstigen können.

Was wir tun können:

Die empfundene Stresswahrnehmung kann durch eine Reihe von Faktoren positiv beeinflusst werden. Diese sind grundsätzlich: Ressourcen stärken, kognitive/Wahrnehmungsbasierte Kompetenzen erwerben, körperliche Aktivität und schließlich Medikamente. 

Es kann prinzipiell sinnvoll sein, die verschiedenen Verfahren zu kombinieren und ggf. begleitend auch professionelle psychologische oder psychiatrische Hilfe anzunehmen. Im Folgenden stellen wir Ihnen verschiedene Verfahren vor, die nach Anleitung in der Regel eigenverantwortlich fortgeführt werden können. Die Grundlage dieser Empfehlung bilden die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien, die zeigen, dass mit diesen Verfahren emotionale Anspannung abgebaut und die Fähigkeit zur Emotionsregulation gestärkt werden können. 

Dabei ist es wichtig, individuell zu schauen, welches Verfahren einen anspricht, welches Verfahren besonders gut funktioniert und welches man besonders gut in seinen Alltag und in seine aktuelle Situation einbauen kann. Bei allen Verfahren kann es sinnvoll sein, ein abgestuftes Vorgehen zu wählen. Bei einer akut hohen Belastung können einfachere Übungen zu kurzfristigen positiven Effekten führen. Um diese Wirkungen tiefer zu verankern, ist es jedoch sinnvoll und notwendig– je nach Bereitschaft und Möglichkeit des Individuums – über einen längeren Zeitraum zu üben und dabei für sich diejenigen Methoden zu finden, die aus persönlicher Sicht hilfreich sind.

MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) ist ein achtwöchiges Programm, in dem in wöchentlichen Sitzungen und einem zusätzlichen Achtsamkeitstag formelle und informelle Achtsamkeitsübungen trainiert werden. In den Gruppensitzungen vertiefen die Teilnehmer den achtsamen Umgang mit inneren Ereignissen wie etwa Körperempfindungen, Gedanken und Gefühlen. Durch Achtsamkeit können Ratsuchende lernen, den eigenen Sorgen und dem eigenen Leiden mit einer Haltung der Freundlichkeit und Akzeptanz zu begegnen und dadurch auch eine neue Perspektive auf das eigene Leben zu entwickeln. Dieses Programm setzt voraus, dass die Ratsuchenden bereit sind sich mit ihrer eigenen Erkrankung aktiv auseinanderzusetzen und sich für einen Zeitraum von acht Wochen auf ein tägliches Üben von Achtsamkeit einzulassen. 

Nähere Informationen finden Sie unter: https://www.mbsr-verband.de/


Im Vergleich dazu können Entspannungsübungen und –verfahren auch für die kurzfristige Verminderung der Stressbelastung empfohlen werden. Dazu zählen die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR), Autogenes Training (AT), aber auch verschiedene Methoden der Atementspannung wie etwa das entschleunigte Atmen (Slow-Paced Breathing).

Hier finden Sie verlässliche sowohl die entsprechenden Einträge auf dieser Webseite zu den Themen, als auch verlässliche Seiten, auf denen die Verfahren vorgestellt werden:

Körperorientierte Verfahren wie Yoga, Qi Gong oder TaiChi stellen eine weitere hilfreiche Möglichkeit dar, aktiv Stress zu bewältigen. Bei den Verfahren handelt es sich jeweils nicht um ein einziges Verfahren, sondern um eine sehr heterogene Gruppe. Besonders bei Yoga unterscheiden sich die Ansätze besonders bezüglich des Ausmaßes an körperlicher Anstrengung.

Im Folgenden finden Sie zur weiterführenden Information die jeweiligen Einträge zu den Verfahren auf unserer Seite als auch Adressen, um Angebote zu finden.

  • Yoga: Einen guten Überblick über Angebote findet man beim Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V.( https://www.yoga.de/)

  • Tai Chi: Kurse werden teilweise oder komplett von den Krankenkassen übernommen. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse. Dort können Sie eventuell auch Informationen über anerkannte Angebote erhalten.

Hypnotherapie ist ein Verfahren, mit dem Verhalten, Kognitionen und affektive Muster mithilfe des veränderten Bewusstseinszustands der Hypnose beeinflusst werden, um belastende Ereignisse und Wahrnehmungen zu restrukturieren und biologische Veränderungen für Heilungsprozesse zu fördern. 

Hypnose wird verschiedentlich als sinnvolle Ergänzung zur Schmerzreduktion bei Tumorpatienten empfohlen. Darüber hinaus wird sie hauptsächlich in folgenden Bereichen eingesetzt: bei Ängsten, Insomnie, zur Schmerzbewältigung und bei stressbedingten Erkrankungen. 

Die Milton-Erickson-Gesellschaft stellt in Ihrem Blog Trancen von erfahrenen Hypnotherapeut*innen für mehr Entspannung, Erholung, Resilienz, innere Sicherheit und zur Unterstützung gesundheitsdienlicher Prozesse kostenfrei zur Verfügung. Es soll der Selbstfürsorge in Zeiten des Coronavirus dienen:

https://hypnose.de/blog/trancereihe-covid-19/

Weiterführende Informationen finden Sie auf dieser Seite im Eintrag: Hypnotherapie



Schließlich finden sich inzwischen auch eine Reihe von integrierten Angeboten, bei denen Elemente aus allen Ansätzen miteinander verbunden und auf die Bedürfnisse der Patient*innen zugeschnitten werden. Ein gutes Beispiel ist das Online-Programm STREAM der Abteilung Psychoonkologie des Universitätsspitals Basel, das ursprünglich in einer Studie untersucht wurde und jetzt für alle Betroffenen zugänglich ist.

https://www.stress-aktiv-mindern.ch/



Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht und zuletzt am 3. August 2022 aktualisiert.


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