Zum Hauptinhalt
Kompetenznetz KOKON

Angst

Beschreibung

Während einer Krebserkrankung und deren Behandlung können Sorgen und Ängste auftreten, wie z.B. die Angst vor dem Wiederauftreten oder Fortschreiten der Erkrankung. Das ist völlig normal, denn eine Krebsdiagnose und die Therapie der Erkrankung stellen für Betroffene eine große Belastung dar. Wenn Ängste aber Überhand nehmen, kann sich daraus eine  Angststörung entwickeln, bei der die Befürchtungen sich nicht mehr auf die krankheitsbedingten Bedrohungen oder bestimmte Situationen beschränken, wie Untersuchungen oder Therapien. Aus diesem Zustand andauernder Ängste findet man allein meistens nicht mehr heraus, was die Alltagsbewältigung erschwert und die Lebensqualität stark einschränkt. Aber auch leichtere Ängste und Sorgen können kräftezehrend sein und zu dauernder Anspannung und Schlafstörungen führen. Nicht selten sind Ängste und Sorgen auch mit depressiven Stimmungen und Gefühlen verbunden. Weitere hilfreiche Informationen dazu finden Sie bspw. in der Patientenleitlinie zur Psychoonkologie (2016).

Behandlung

Um Ängste zu beruhigen und zu bewältigen, gibt es verschiedene Hilfsangebote und Therapien. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) empfiehlt psychosoziale Beratung, Entspannungsverfahren, Patientenseminare (sog. Psychoedukation), psychotherapeutische Maßnahmen wie Einzel- und Gruppengespräche sowie künstlerische Therapien anzubieten. Zudem können angstlösende Medikamente (Anxiolytika) eingesetzt werden, die auf einen begrenzten Zeitraum gezielt verordnet werden. Die Leitlinie verweist auch darauf, dass Yoga und Massagen zur Behandlung von Ängsten sinnvoll eingesetzt werden können. Weiterführende Informationen dazu finden Sie in der Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) und der Patientenleitlinie zur Psychoonkologie (2016).

Ängste können sehr belastend sein und sich selbst verstärken. Daher ist es wichtig, dass Patientinnen und Patienten Ängste frühzeitig und möglichst offen mit dem Behandlungsteam oder anderen fachkundigen Personen besprechen, damit gezielt hilfreiche Maßnahmen eingeleitet werden können.

Therapieverfahren der integrativen Onkologie

Zur Behandlung von Ängsten können Verfahren aus der integrativen Onkologie, z.B. traditionelle Behandlungsverfahren oder pflanzliche Heilmittel ergänzend eingesetzt werden. Zu einigen gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien, zu anderen fundierte fachliche Behandlungserfahrung.


In klinischen Studien untersuchte Verfahren

Aromatherapie (auch ätherische Öltherapie genannt) kann, wenn sie mit einer Massage kombiniert wird (Aromatherapiemassage), helfen, Angst zu reduzieren. Aus klinischen Studien gibt es Anhaltspunkte für eine kurzfristige Wirksamkeit dieses Verfahrens. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt die Aromatherapie in dem Zusammenhang nicht.

In der Aromatherapie werden ätherische Öle aus unterschiedlichen Pflanzen in Form von Massagen, Inhalationen oder Bädern angewandt. Sie soll entspannende Wirkungen auf den Körper, das Nervensystem und den Gemütszustand haben und so auch Ängste positiv beeinflussen.

Die Aromatherapie wird von Therapeutinnen und Therapeuten (z.B. ausgebildete Masseure oder Pflegende) durchgeführt und kann wiederholt angewendet werden. Die Kosten für eine Sitzung (etwa 90 Minuten) liegen zwischen 40-75 Euro. Eine Selbstanwendung ist aber auch möglich. Die Aromatherapie gilt als sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren. 

Ätherische Öle können in Apotheken oder Drogerien gekauft werden. Die Kosten variieren je nach Qualität des Öles. Während eines Klinikaufenthalts können Patientinnen und Patienten auch Angebote vor Ort erfragen. Einige Kliniken bieten Aromatherapie oder Aromatherapiemassagen kostenfrei oder kostengünstig an.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Aromatherapie

Autogenes Training kann helfen, Ängste zu mindern. Dafür gibt es erste Anhaltspunkte aus klinischen Studien, wenn begleitend ärztliche Hausbesuche durchgeführt werden. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) fasst Autogenes Training unter „Entspannungsverfahren“ mit vielen anderen Verfahren zusammen. Nach der Leitlinie sollen Entspannungsverfahren unabhängig vom Belastungsgrad Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen angeboten werden.

Im Rahmen einer Krebserkrankung können negative Gefühle, wie Angst und Sorgen, auftreten. Mit Hilfe von autogenem Training lernen Anwenderinnen und Anwender, auf Gedanken, Gefühle und stressreiche Situationen ruhiger und gelassener zu reagieren und diese als weniger belastend zu empfinden.

Das Verfahren gilt als sicher. Einmal erlernt, kann es jeder Zeit in Selbstanwendung durchgeführt werden. Autogenes Training wird im Rahmen eines Kurses in acht bis zehn Sitzungen (Einzel- oder Kleingruppensitzung) vermittelt.

Um das Verfahren zu erlernen, können Patientinnen und Patienten passende Angebote beim Behandlungsteam erfragen. Zudem können auch Bücher oder Online-Angebote genutzt werden.


Weiterführende Informationen finden Sie hier: Autogenes Training

Weitere Informationen

Hypnotherapie kann helfen, Angst zu mindern. Hierzu gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Hypnotherapie in diesem Zusammenhang nicht. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) fasst die Hypnotherapie unter „Entspannungsverfahren und Imaginative Verfahren“ zusammen und empfiehlt, diese Menschen mit Krebserkrankungen unabhängig vom Belastungszustand anzubieten.

Die Hypnotherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren. Zentrales Element ist die Hypnose, für die Patientinnen und Patienten in einen tranceartigen Bewusstseinszustand gebracht werden. In diesem Status können unbewusste Denk- und Verhaltensmuster verändert und neu erlernt werden.

Dadurch kann z.B. die Wahrnehmung belastender Symptome wie Angst verändert und der Umgang damit erleichtert werden. Die Hypnotherapie arbeitet auch mit Entspannungstechniken und Phantasiereisen. Wenn speziell geschulte Therapeutinnen und Therapeuten sie durchführen, gilt die Hypnotherapie als sicheres Verfahren.

Patientinnen und Patienten können nach erfahrenen Hypnotherapeutinnen oder -therapeuten mit einer entsprechenden Zusatzausbildung suchen. In Deutschland ist die Hypnotherapie eine von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannte Leistung. Daher kann es ein Qualitätskriterium sein, ob eine Therapeutin oder ein Therapeut die Behandlungskosten mit der Krankenkasse abrechnen kann.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Hypnotherapie 

Musiktherapie kann helfen, Ängste zu mindern. Hierfür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Die Leitlinien zur Komplementärmedizin (2021) und zur Psychoonkologie (2014) fassen die Musiktherapie unter „Kunsttherapie“ bzw. „künstlerische Therapien“ zusammen. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) gibt aufgrund der geringen Anzahl klinischer Studien keine Empfehlung für oder gegen Kunsttherapien. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) empfiehlt, Krebspatientinnen und -patienten künstlerische Therapien anzubieten.

Die Musiktherapie ist ein anerkanntes Therapieverfahren, das unterschiedliche Elemente wie das Spielen von Instrumenten, Singen, Komponieren und weitere Aspekte des Musizierens beinhaltet. Sie wird an die individuellen Bedürfnisse und musikalischen Vorlieben der behandelten Personen angepasst.

Die Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Handeln im Hier und Jetzt sowie das gemeinsame Musizieren in einer angenehmen Atmosphäre unterstützen den Umgang mit Gefühlen wie Ängste und Sorgen.  Zudem hat die Musiktherapie eine ausgleichende und belebende Wirkung.

Eine Sitzung dauert in der Regel 30 bis 45 Minuten. Die Kosten hängen davon ab, in welchem Rahmen die Therapie erfolgt. In einigen Versorgungseinrichtungen werden Musiktherapie-Sitzungen nicht zusätzlich berechnet.

Patientinnen und Patienten können Anbieter über die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft finden oder sich bei ihrem Behandlungsteam erkundigen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:  Musiktherapie

Progressive Muskelrelaxation (PMR) kann dazu beitragen, die im Zuge einer Krebserkrankung und deren Behandlung auftretenden Ängste zu mindern. Eine Reihe von klinischen Studien liefern Anhaltspunkte für die Wirksamkeit des Verfahrens zur Angstreduktion, auch wenn die Ergebnisse mit großer Unsicherheit behaftet sind. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt PMR nicht. 

Eine Krebserkrankung und deren Behandlung geht häufig mit Ängsten einher.  Dabei kommt es zu einer Steigerung des aktivierenden Nervensystems (Sympathikus) und der vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin und Noradrenalin). Durch Anspannung und Entspannung verschiedener Muskelgruppen des Körpers kann die Aktivität dieses Nervensystems auf ein angemessenes Niveau herunterreguliert werden.

Dabei können Anspannungen und Ängste abgebaut werden. Progressive Muskelrelaxation ist leicht zu erlernen und kann dann selbst angewandt werden. PMR gilt als sicher. Sicherheitsbedenken existieren lediglich in Bezug auf die Anwendung von PMR bei Patienten und Patientinnen mit einer psychiatrischen Vorerkrankung. 

Patientinnen und Patienten können sich sowohl in den Kliniken, als auch ambulant bei ihrem Behandlungsteam über passende Angebote informieren und diese erlernen. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Anleitungen zum Selbstlernen und Anwenden z.B. auf Videoplattformen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Progressive Muskelrelaxation

Weitere Informationen

Die Wirksamkeit von Reiki zur Behandlung von Ängsten wurde in klinischen Studien untersucht. Aufgrund der geringen Qualität der Studien kann zur Wirksamkeit jedoch keine gesicherte Aussage getroffen werden. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) fasst Reiki unter “Bioenergiefeld-Verfahren” zusammen und kommt auf Basis der durch die Leitliniengruppe ausgewerteten Studien zu dem Schluss, dass diese Verfahren nicht angewandt werden sollten.   

Reiki ist eine ursprünglich aus Japan stammende Form der „Energieheilung“. Nach Reiki-Praktizierenden werden durch Berührung oder durch das Senden von Energie bei „Fernbehandlung“ Energie übergeleitet und Energieblockaden gelöst. Die Selbstheilung soll damit angeregt werden.

Eine Reiki-Therapie kann so oft wie gewünscht erfolgen. Üblich sind mehrere Sitzungen pro Woche mit einer Dauer von 30-60 Minuten. Es sind keine Nebenwirkungen, Kontraindikationen oder Wechselwirkungen bekannt.

Yoga kann helfen, Ängste während einer Krebserkrankung und deren Behandlung zu reduzieren. Mehrere Studien geben Anhaltspunkte für eine angstreduzierende Wirkung von Yoga. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) beschränkt ihre Empfehlung jedoch auf Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs.

Während einer Krebserkrankung treten häufig Ängste auf. Diese verursachen Stress und eine starke Aktivierung des Stress-aktivierenden Nervensystems (Sympatikus). Die Ausübung von Yoga kann helfen, Ängste und Stress zu mindern.

Durch körperliche und geistige Yoga Übungen und einer Fokussierung auf die Atmung wird die Aktivität des Sympatikus reguliert und der Stresshormonspiegel kann absinken. Man gewinnt zudem inneren Abstand zur Angst. Die Übungen sind mit etwas Geduld gut erlernbar und können in den Alltag integriert werden.

Sicherheitsbedenken gibt es wenige. Es ist wichtig, die Techniken richtig zu erlernen und sich nicht zu überschätzen. Bei falscher Ausführung können Muskeln und Gelenke überlastet und Nerven geschädigt werden. Operierte Körperregionen sind zu schonen. Daher sollte vor Beginn Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.

Yoga kann sowohl in Online-Kursen oder mittels Bücher, als auch vor Ort in Yoga Studios, Volkshochschulen, Fitnessstudios oder bei anderen Anbietern erlernt werden. Krankenkassen übernehmen teilweise die Kosten.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Yoga

Weitere Informationen

Verfahren aus der Behandlungspraxis

Aus langjährigen Behandlungserfahrungen gibt es weitere, mit wenig Aufwand umzusetzende Maßnahmen, die beruhigende und entspannende Wirkungen haben und Ängste positiv beeinflussen können. Patientinnen und Patienten können hier selbst auswählen und probieren, was guttut und hilft.

Unter äußeren Anwendungen versteht man u.a. Einreibung, Massagen, Waschungen und Bäder. Sie werden mit Wärme, Kälte, Pflanzenstoffen oder ätherischen Ölen kombiniert, um die gewünschte Wirkung zu verstärken. Im Weiteren finden Sie mögliche Anwendungen aufgeführt, die sich bei Angst bewährt haben.

Logo-CCC-Integtrativ-Infozept-smallest.png

Praktische Tipps und Informationen zum Weiterlesen

Derzeit sind keine weiteren Daten verfügbar.

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht und zuletzt am 2. August 2022 aktualisiert.


Diese Informationen richten sich an Patienten und Angehörige. Sie wurden fachgemäß und mit der erforderlichen Sorgfalt von KOKON zusammengestellt. KOKON gibt jedoch keinerlei Zusage, Garantie oder Versprechen hinsichtlich der Richtigkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit oder des aktuellen Standes der Informationen. Die Informationen auf dieser Seite ersetzen nicht das Gespräch mit dem jeweiligen behandelnden Arzt und KOKON rät dringend dazu, die vorliegenden Informationen mit diesem jeweils individuell zu besprechen. KOKON ist nicht verantwortlich für Schäden oder Verluste, die dadurch entstehen, dass sich jemand auf die hier zur Verfügung gestellten Informationen verlässt.