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Kompetenznetz KOKON

Fatigue

Beschreibung

Fatigue tritt sehr häufig im Verlauf einer Krebserkrankung auf. Daher ist sie auch als sogenannte „Tumorerschöpfung“ bekannt. Sie äußert sich in einem Gefühl anhaltender Müdigkeit, dauerhafter Erschöpfung und Antriebslosigkeit, dass sich nicht durch Schlaf und Erholungsphasen ausgleichen lässt. Typische Anzeichen sind z.B. verminderte Belastbarkeit und Ausdauer, vermehrtes Schlafbedürfnis (aber keine Erholung durch Schlaf), verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, nachlassendes Interesse, Antriebsmangel, Traurigkeit und Ängste (ähnlich wie bei Depression). Fatigue entsteht aufgrund der Krebserkrankung selbst, aber auch durch deren Behandlung (Chemotherapie und Strahlentherapie). Informationen zur Fatigue bei einer sehr weit fortgeschrittenen Krebserkrankung finden Sie in der Patientenleitlinie zur Palliativmedizin (2015).

Behandlung

Um Fatigue fachkundig zu diagnostizieren und zu behandeln, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit durch Ärzte, Psychologen und Psychoonkologen erforderlich. Die auftretenden seelischen, geistigen oder körperlichen Beschwerden sind nicht immer eindeutig und können auch z.B. bei einer Depression auftreten. Daher soll bei einer Fatigue bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung nach der S3-Leitlinie Palliativmedizin geprüft werden, ob die Beschwerden einer anderen Erkrankung (z.B. Depression) zuzuordnen sind oder eine andere Ursache (Infektionen, Behandlung mit Medikamenten) haben. Diese werden zunächst behandelt. Dann können zur Linderung der Beschwerden einer Fatigue Medikamente (Methylphenidat, Modafinil, Kortikosteroide) eingesetzt werden. Allerdings sollte nach der Leitlinie eine Behandlung mit Kortikosteroiden nur über einen begrenzten Zeitraum erfolgen. Als nicht-medikamentöse Verfahren sollten den Betroffenen körperliches Training (Ausdauer- und Krafttraining), Psychotherapie und Maßnahmen zum Energiemanagement angeboten werden. Weitere Informationen dazu sind in der Patientenleitlinie zur Palliativmedizin (2015) zu finden.

Betroffene sollten die Erschöpfung genau reflektieren, beschreiben und mit dem Behandlungsteam besprechen. Eine Fatigue beeinträchtigt die Lebensqualität sehr stark und es ist wichtig, sie so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.

Therapieverfahren der integrativen Onkologie

Zur Behandlung einer Fatigue können Verfahren aus der integrativen Onkologie, z.B. traditionelle Behandlungsverfahren oder pflanzliche Heilmittel ergänzend eingesetzt werden. Zu einigen gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien, zu anderen fundierte fachliche Erfahrung aus der Behandlungspraxis.

In klinischen Studien untersuchte Verfahren

Achtsamkeitsbasierte Verfahren, wie die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR) oder die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (Mindfullnes Based Cognitive Therapy, MBCT), werden im Rahmen der Krebstherapie zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt. Sie können u.a. helfen, die Beschwerden bei einem krebsbedingten Erschöpfungssyndrom (Fatigue) zu mindern. Hierfür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Daher können nach der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) achtsamkeitsbasierte Verfahren bei Fatigue angewandt werden.

Achtsamkeitsbasierte Verfahren beinhalten unter anderem Atemübungen, Meditationsübungen (z.B. Sitzmeditation, Gehmeditation) und Körperübungen (z.B. Hatha Yoga), welchen man ausgleichende und stressregulierende Wirkungen zuschreibt. Das Kernelement der Verfahren ist die bewusste, absichtsvolle und nicht wertende Lenkung der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment.

Diese Vorgehensweise ist leicht zu erlernen und lässt sich in den Alltag integrieren, so dass sie bei wieder auftretenden Beschwerden erneut hilfreich angewendet werden kann. Achtsamkeitsbasierte Verfahren gelten als sicher.

Um diese Verfahren zu erlernen, können Patientinnen und Patienten sowohl in der Klinik als auch zu Hause passende Angebote (z.B. Kurse) bei ihrem Behandlungsteam erfragen. Wenn die Teilnahme an einem Gruppenangebot nicht möglich ist, können Online-Angebote oder Bücher genutzt werden. 

Detaillierte Informationen zur Wirkweise und Wirksamkeit, Sicherheit, Gegenanzeigen, Kosten und Weiterführende Informationen finden Sie hier: Achtsamkeitsbasierte Verfahren

Weitere Informationen

Akupunktur kann helfen, die Beschwerden einer Fatigue zu mindern. Dafür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Nach der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) kann sowohl Akupunktur als auch Akupressur zur Behandlung von Fatigue eingesetzt werden. Die Akupressur ist eine Variante der Akupunktur, bei welcher Akupunkturpunkte mittels Fingerdruck stimuliert werden.

Bei der Behandlung von Fatigue mit Akupunktur werden feine Nadeln an bestimmten Körperpunkten eingesetzt. Dadurch soll das Gleichgewicht der Körperenergie (zwischen Aktivität und Passivität, Anspannung und Entspannung) wieder hergestellt und somit die Beschwerden einer Fatigue gemindert werden.

Die Akupunktur ist ein therapeutisches Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM).  Sie wird durch ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten zur Vorbeugung oder Behandlung von Symptomen und Erkrankungen eingesetzt. Die Akupunktur selbst gilt bei fachkundiger Ausführung als sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren. Eine Akupressur kann in Selbstanwendung durchgeführt werden.

Patientinnen und Patienten können entsprechende Angebote für eine Akupunktur bei ihrem Behandlungsteam erfragen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Akupunktur

Weitere Informationen

Baldrian kann helfen, die Beschwerden einer Fatigue zu mindern. Hierfür gibt es einen Anhaltspunkt aus einer klinischen Studie. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Baldrian in diesem Zusammenhang nicht.

In der traditionellen Medizin wird der „echte“ Baldrian (Valeriana officinalis) zur Behandlung u.a. von Unruhezuständen, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen eingesetzt. Es wird vermutet, dass die beruhigende Wirkung von Baldrian durch das gesamte Stoffgemisch verursacht wird. Der genaue Wirkmechanismus ist jedoch nicht bekannt. Zubereitungen aus der Wurzel von Baldrian gelten als sicher, da kaum unerwünschte Wirkungen bekannt sind.

Präparate mit Baldrian sind in Apotheken und Drogerien erhältlich, die Kosten sind gering. Vor Beginn der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Baldrian

Die Wirksamkeit von L-Carnitin zur Behandlung eines krebsbedingten Erschöpfungssyndroms (Fatigue) ist in klinischen Studien untersucht worden. Die Ergebnisse geben einen Hinweis, dass L-Carnitin eine mittelschwere bis schwere Fatigue nicht mindern kann. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) gibt keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von L-Carnitin bei Fatigue.

L-Carnitin ist ein nicht essentieller Nährstoff. Es wird sowohl im menschlichen Körper gebildet als auch über die Nahrung aufgenommen. L-Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und bei Entzündungsprozessen.

In seltenen Fällen können bei der Einnahme von größeren Mengen L-Carnitin unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Schlaflosigkeit, Erbrechen oder leichte Magen-Darm-Verstimmungen auftreten. Zudem werden mögliche Wechselwirkungen mit Schilddrüsenmedikamenten beschrieben. Vor Beginn der Einnahme von L-Carnitin sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden. 

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Carnitin

Weitere Informationen

Coenzym Q10 wurde in klinischen Studien in Bezug auf die Fatigue untersucht. Aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse kann derzeit keine Aussage darüber getroffen werden, ob es helfen kann, eine Fatigue bei Krebspatientinnen und -patienten zu mindern. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Coenzym Q10 in diesem Zusammenhang nicht.

Coenzym Q10 kommt in vielen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Gemüse oder Nüssen vor. Es wird auch in kleinen Mengen im Körper gebildet und spielt eine wichtige Rolle im körpereigenen Energiehaushalt. Zudem werden ihm positive Wirkungen auf das Immunsystem zugeschrieben.

Coenzym Q10 ist als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln oder Tabletten erhältlich. Coenzym Q10 gilt als sicher. Bei der Einnahme größerer Mengen können vorrübergehend leichte unerwünschte Wirkungen (z.B. Kopfschmerzen, Sodbrennen, Kopfschmerzen) auftreten.

Patientinnen und Patienten können Präparate aus Coenzym Q10 in Apotheken, Drogerien oder Reformhäusern kaufen. Vor Beginn der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Coenzym Q10

Weitere Informationen

Präparate aus der getrockneten Wurzel des amerikanischen Ginsengs und der hitzebehandelten Wurzel des asiatischen Ginsengs können helfen, die Beschwerden einer Fatigue zu mindern. Hierzu gibt es Hinweise aus klinischen Studien. Daher kann nach der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) Ginseng zur Behandlung einer Fatigue eingesetzt werden. Bei der Anwendung von Präparaten aus der getrockneten Wurzel des asiatischen Ginseng bei Fatigue konnte hingegen keine Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Bei einer Fatigue fühlen sich Betroffene oft müde, erschöpft und kraftlos. Präparate aus Ginseng werden in Europa und Asien traditionell zur Kräftigung und Belebung bei Erschöpfung und zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit angewandt.

Eine übliche Tagesdosis liegt bei 1-2 g der getrockneten Wurzel mit mindestens 1,5 % Wirkstoffgehalt (Ginsenoside). Ginseng soll ein- bis zweimal täglich mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden. Ein Effekt der Behandlung zeigt sich erst nach etwa vier Wochen. Wenn Ginseng über einen längeren Zeitraum eingenommen wird, lässt die Wirkung aber wieder nach.

Deshalb sollte die Anwendung nach drei Monaten eine Zeit lang unterbrochen werden. Die Einnahme von Ginseng gilt als sicher. Vorübergehende unerwünschte Wirkungen wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen treten nur sehr selten auf. Das Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen ist als gering einzustufen.

Patientinnen und Patienten können Präparate aus Ginseng rezeptfrei in Apotheken, Drogerien oder Reformhäusern kaufen. Vor Beginn der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Ginseng.

Weitere Informationen

Hypnotherapie kann helfen, die Beschwerden einer Fatigue bei Brustkrebspatientinnen nach einer Strahlentherapie zu mindern. Hierzu gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Es ist aber noch unklar, ob die Ergebnisse auch auf andere Krebsarten und Behandlungsformen (z.B. Chemotherapie) übertragen werden können. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Hypnotherapie in diesem Zusammenhang nicht. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) fasst die Hypnotherapie unter „Entspannungsverfahren und Imaginative Verfahren“ zusammen und empfiehlt, diese Menschen mit Krebserkrankungen unabhängig vom Belastungszustand anzubieten.

Die Hypnotherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren. Zentrales Element ist die Hypnose, für die Patientinnen und Patienten in einen tranceartigen Bewusstseinszustand gebracht werden. In diesem Status können unbewusste Denk- und Verhaltensmuster verändert und neu erlernt werden.

Dadurch kann z.B. die Wahrnehmung belastender Symptome wie Fatigue verändert und der Umgang damit erleichtert werden.  Die Hypnotherapie arbeitet auch mit Entspannungstechniken und Phantasiereisen. Wenn speziell geschulte Therapeutinnen und Therapeuten sie durchführen, gilt die Hypnotherapie als sicheres Verfahren.

Patientinnen und Patienten können nach erfahrenen Hypnotherapeutinnen oder -therapeuten mit einer entsprechenden Zusatzausbildung suchen. In Deutschland ist die Hypnotherapie eine von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannte Leistung. Daher kann es ein Qualitätskriterium sein, ob eine Therapeutin oder ein Therapeut die Behandlungskosten mit der Krankenkasse abrechnen kann.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Hypnotherapie.

Musiktherapie kann helfen, die Beschwerden einer Fatigue zu lindern. Hierfür gibt es Hinweise aus klinischen Studien. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) und die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) nennen die Musiktherapie unter „Kunsttherapie“ bzw. „künstlerische Therapien“. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) gibt aufgrund der geringen Anzahl klinischer Studien keine Empfehlung für oder gegen Kunsttherapien. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) empfiehlt, Krebspatientinnen und -patienten künstlerische Therapien anzubieten.

Die Musiktherapie ist ein anerkanntes Therapieverfahren, das unterschiedliche Elemente wie das Spielen von Instrumenten, Singen, Komponieren und weitere Aspekte des Musizierens beinhaltet. Sie wird an die individuellen Bedürfnisse und musikalischen Vorlieben der behandelten Personen angepasst.

Das gemeinsame Musizieren aktiviert Körper und den Geist und wirkt so einer Fatigue entgegen. Zudem hat die Musiktherapie eine ausgleichende Wirkung.  Eine Behandlungseinheit dauert zwischen 30 bis 45 Minuten. Die Kosten hängen davon ab, in welchem Rahmen die Therapie erfolgt. In einigen Versorgungseinrichtungen werden Musiktherapie-Sitzungen nicht zusätzlich berechnet.

Patientinnen und Patienten können Anbieter über die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft finden oder sich bei ihrem Behandlungsteam erkundigen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Musiktherapie.

 

Progressive Muskelrelaxation (PMR) kann helfen, die Beschwerden einer Fatigue zu mindern. Dafür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt das Verfahren nicht.

PMR ist ein Verfahren, bei dem nacheinander verschiedene Muskelgruppen angespannt und wieder entspannt werden. Es hat eine ausgleichende Wirkung und wird daher zur Behandlung von Fatigue eingesetzt. PMR kann von Angehörigen der Gesundheits-, Heil- und Pflegeberufe durchgeführt werden.

Eine Sitzung im Rahmen eines Kurses dauert üblicherweise 60 Minuten und ist relativ kostengünstig. PMR gilt als sicheres Verfahren. Wenn eine psychiatrische Vorerkrankung besteht, sollte PMR nicht angewandt werden.

PMR kann in Gruppen- oder Einzelkursen erlernt und dann auch selbständig durchgeführt werden. Patientinnen und Patienten können Angebote beim Behandlungsteam erfragen. Ein selbständiges Erlernen des Verfahrens mit Hilfe von Büchern, CDs oder online-Tutorials ist auch möglich.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Progressive Muskelrelaxation.

Weitere Informationen

Rosenwurz kann helfen, Erschöpfungssymptome zu mindern. Hierfür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Aber es ist unklar, ob die Ergebnisse auch auf das krebsbedingte Erschöpfungssyndrom (Fatigue) übertragbar sind. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Rosenwurz in diesem Zusammenhang nicht.

Rosenwurz ist eine Pflanze, die in Europa und Asien in arktischen Regionen vorkommt. Aus dem Wurzelstock der Pflanze werden Zubereitungen hergestellt, die in Form von Kapseln oder Filmtabletten angeboten werden. Die typische Tagesdosis liegt bei 144-400 mg Trockenextrakt. Als vorübergehende unerwünschte Wirkungen sind leichte Benommenheit und Mundtrockenheit beschrieben. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und Kontraindikationen werden nicht beschrieben.

Präparate aus Rosenwurz können als Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken und Drogerien gekauft werden. Vor Beginn der Einnahme sollte Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.

Es gibt Anhaltspunkte, dass Taigawurzel helfen kann, die Beschwerden einer Fatigue zu mindern. Allerdings ist unklar, ob die Ergebnisse auch auf die krebsbedingte Fatigue übertragbar sind, denn bislang wurden dazu keine Ergebnisse aus klinischen Studien veröffentlicht. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Taigawurzel zur Behandlung krebsbedingter Fatigue nicht.

Taigawurzel (auch „sibirischer Ginseng“ genannt) gehört zur Familie der Araliengewächse und ist im östlichen Russland, China, Korea und Japan beheimatet. Die getrocknete Wurzel wird als Arzneidroge verwendet. Im traditionellen Gebrauch wird sie gegen Müdigkeit und körperliche Schwäche eingesetzt. Als unerwünschte Wirkungen werden Schlaflosigkeit, erhöhte Herzfrequenz, Reizbarkeit und Kopfschmerzen beschrieben.

Tai Chi kann, wenn es in Kombination mit Qigong angewandt wird, die Symptome einer Fatigue mindern. Hierfür gibt es Hinweise aus klinischen Studien. Daher sollte nach der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) Tai Chi zur Behandlung von Symptomen einer Fatigue bei Krebspatientinnen und -patienten eingesetzt werden.

Tai Chi ist eine Bewegungskunst, die Atemtechniken mit der Abfolge von langsamen, fließenden Bewegungen verbindet. Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) soll Tai Chi den Fluss der Lebensenergie regulieren, zur Entspannung beitragen und den Geist ruhig und konzentriert halten. Die Beweglichkeit, die Ausdauer, das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem werden durch die körperlichen Übungen gestärkt, wodurch den Beschwerden einer Fatigue entgegengewirkt werden kann.

Tai Chi gilt als sicher. Es werden keine unerwünschten Wirkungen beschrieben. Allerdings sollten Patientinnen und Patienten, bei denen eine Herzerkrankung, Osteoporose oder eine Erkrankung des Bewegungsapparats besteht, vor Beginn des Trainings Rücksprache mit den Behandlungsteam halten. Um die Grundtechniken richtig zu lernen, sollte man in einer Gruppe beginnen, die durch einen Meister oder Lehrer angeleitet wird.

Ein Tai Chi-Kurs dauert etwa 10-12 Wochen. Eine Unterrichtseinheit nimmt ca. 60 Minuten in Anspruch. Wenn das Verfahren einmal gelernt ist, kann es zu Hause als Teil der täglichen Praxis selbst ausgeführt werden.

Patientinnen und Patienten können entsprechende Angebote beim Behandlungsteam erfragen.

Weitere Informationen finden Sie hier: Tai Chi

 

Weitere Informationen

Yoga kann helfen, die Beschwerden einer Fatigue zu mindern. Hierfür gibt es Hinweise aus klinischen Studien. Daher sollte nach der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) Yoga zur Behandlung von Fatigue bei Krebspatientinnen und -patienten eingesetzt werden.

Betroffene fühlen sich bei einer Fatigue häufig müde und erschöpft. Durch die physischen Yogaübungen kann die körperliche Aktivität unterstützt und gestärkt werden. Zudem wird den Meditations- und Atemübungen beruhigende Wirkung auf den Geist zugeschrieben.

Yoga ist mit etwas Geduld gut erlernbar und kann in den Alltag integriert werden. Das Verfahren gilt als relativ sicher. Aber es ist wichtig, die Techniken richtig zu erlernen und sich nicht zu überschätzen. Bei falscher Ausführung können Muskeln und Gelenke überlastet und Nerven geschädigt werden.

Nach einer Operation sollte die betroffene Körperregion geschont werden. Daher sollte vor Beginn der Ausübung von Yoga Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.

Yoga kann sowohl in Onlinekursen oder mit Hilfe von Büchern als auch vor Ort in Yogastudios, Volkshochschulen, Fitnessstudios oder bei anderen Anbietern erlernt werden. Die Krankenkassen übernehmen teilweise die Kosten.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Yoga

Weitere Informationen

Verfahren aus der Behandlungspraxis

Aus langjährigen Behandlungserfahrungen gibt es weitere, mit wenig Aufwand umzusetzende Maßnahmen, die helfen, Fatigue vorzubeugen oder die Beschwerden zu mindern. Patientinnen und Patienten können hier selbst auswählen und probieren, was guttut und hilft.

Unter äußeren Anwendungen versteht man u.a. Einreibung, Massagen, Waschungen und Bäder. Sie werden mit Wärme, Kälte, Pflanzenstoffen oder ätherischen Ölen kombiniert, um die gewünschte Wirkung zu verstärken. Im Weiteren finden Sie mögliche Anwendungen aufgeführt, die sich bei Fatigue bewährt haben.

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Praktische Tipps und Informationen zum Weiterlesen

Fitness Trotz Fatigue der deutschen Fatigue-Gesellschaft PDF, 4.86 MB
Fatigue: Chronische Müdigkeit bei Krebs DKG PDF, 780.63 KB

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht und zuletzt am 2. August 2022 aktualisiert.


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