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Kompetenznetz KOKON

Schmerzen

Beschreibung

Schmerz ist eine unangenehme Empfindung, mit der der Körper eine Reizung von Geweben oder deren drohende oder bestehende Schädigung signalisiert. Betroffene empfinden Schmerz individuell sehr unterschiedlich. Neben den körperlichen Auslösern beeinflussen auch seelische und soziale Faktoren die Ausprägung und Dauer von Schmerzen.

Stress und Schlafmangel können Schmerzen verstärken, Ablenkung und Entspannung lindernd wirken. Zur Wahl der richtigen Behandlung unterscheiden Fachleute zwischen plötzlich auftretenden, akuten, und anhaltenden chronischen Schmerzen und durch welche Gewebe der Schmerz verursacht wird. 

Fachleute haben Informationen zu Tumorschmerzen in einer Patientenleitlinie (ESMO, 2019) veröffentlicht. Informationen zu Schmerzen bei einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung finden Sie in der Patientenleitlinie zur Palliativmedizin (2015).

Behandlung

Vor jeder Schmerztherapie ist es erforderlich, sich ein ärztliches Bild von den möglichen Ursachen zu machen, um die Behandlung darauf abzustimmen. Die medikamentöse Therapie einschließlich dem Umgang mit den Nebenwirkungen von Schmerzmedikamenten folgt den Empfehlung der Leitlinien.

Hier ist besonders auf die eingeschränkte Fahrtauglichkeit bei Opiat-haltigen Schmerzmitteln, aber auch auf Magen-Darm-Störungen, wie Übelkeit und Verstopfung zu achten. Bei chronischen Schmerzen sollte immer eine Behandlung gewählt werden, die verschiedene Ansätze, auch solche ohne Medikamente, miteinander kombiniert.

In der Patientenleitlinie zur Palliativmedizin (2015) und in der Leitlinie zur Palliativmedizin (2020) sowie die Patientenleitlinie zu Tumorschmerzen (ESMO, 2019) wird detailliert auf die Schmerztherapie und nicht nur die bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen, eingegangen. 

Für eine fachkundige und individuell passende Schmerztherapie ist es besonders wichtig, dass Patientinnen und Patienten auftretende Beschwerden mit dem Behandlungsteam besprechen.

Therapieverfahren der integrativen Onkologie

Zur Behandlung von Schmerzen können Verfahren aus der integrativen Onkologie, z.B. traditionelle Behandlungsverfahren oder pflanzliche Präparate ergänzend eingesetzt werden. Zu einigen gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien, zu anderen fundierte fachliche Behandlungserfahrung.

In klinischen Studien untersuchte Verfahren

Akupunktur kann helfen, Schmerzen zu lindern. Dafür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Nach der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) sollte Akupunktur zur Behandlung von Schmerzen sowie von Gelenkschmerzen (durch Aromatase-Blocker verursacht) bei Brustkrebspatientinnen und kann zur Behandlung chemotherapiebedingter Nervenschmerzen (CIPN) bei Krebspatientinnen und -patienten angewandt werden. Bei Tumorschmerzen kann nach der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) eine Akupressur durchgeführt werden. Die Akupressur ist eine Variante der Akupunktur, bei welcher Akupunkturpunkte mittels Fingerdruck stimuliert werden.

Bei der Behandlung von Schmerzen mit Akupunktur werden feine Nadeln an bestimmten Körperpunkten eingesetzt. Dadurch soll das Gleichgewicht der Körperenergie wiederhergestellt und starke Reaktionen des Körpers, z.B. auf Schmerz, abgemildert werden.

Zudem führt die Akupunktur zur Ausschüttung verschiedener Botenstoffe, welche die Wahrnehmung von Schmerzen beeinflussen können.  Die Akupunktur ist ein therapeutisches Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM).  Sie wird durch ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten zur Vorbeugung oder Behandlung von Symptomen und Erkrankungen eingesetzt.

Die Akupunktur selbst gilt bei fachkundiger Ausführung als sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren. Eine Akupressur, als besondere Form der Akupunktur, kann in Selbstanwendung durchgeführt werden. 

Patientinnen und Patienten können entsprechende Angebote für eine Akupunktur bei ihrem Behandlungsteam erfragen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Akupunktur

Weitere Informationen

Die Wirksamkeit der Aromatherapie (auch ätherische Öltherapie genannt) zur begleitenden Behandlung von Schmerzen wurde in Studien mit Krebserkrankten untersucht. Die Ergebnisse der Studien lassen bisher allerdings keine verlässliche Aussagen zu. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) gibt daher auch keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Aromatherapie in der Schmerztherapie.

In der Aromatherapie werden ätherische Öle aus unterschiedlichen Pflanzen in Form von Massagen, Inhalationen oder Bädern angewandt. Sie soll entspannende Wirkungen auf den Körper, das Nervensystem und den Gemütszustand haben und so auch Schmerzen positiv beeinflussen.

Die Aromatherapie wird von Therapeutinnen und Therapeuten (z.B. ausgebildete Masseurinnen und Masseure oder Pflegende) durchgeführt und kann wiederholt angewandt werden. Die Kosten für eine Sitzung (etwa 90 Minuten) liegen zwischen 40-75 Euro. Eine Selbstanwendung ist aber auch möglich. Die Aromatherapie gilt als sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren. 

Ätherische Öle können in Apotheken oder Drogerien gekauft werden. Die Kosten variieren je nach Qualität des Öls. Während eines Klinikaufenthalts können Patientinnen und Patienten auch Angebote vor Ort erfragen. Einige Kliniken bieten Aromatherapie oder Aromatherapiemassagen kostenfrei oder kostengünstig an.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Aromatherapie

Hypnotherapie kann krebsbedingte Schmerzen reduzieren. Hierzu gibt es Hinweise aus klinischen Studien. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Hypnotherapie in diesem Zusammenhang nicht. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) fasst die Hypnotherapie unter „Entspannungsverfahren und Imaginative Verfahren“ zusammen und empfiehlt, diese Menschen mit Krebserkrankungen unabhängig vom Belastungszustand anzubieten.

Die Hypnotherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren. Zentrales Element ist die Hypnose, für die Patientinnen und Patienten in einen tranceartigen Bewusstseinszustand gebracht werden. In diesem Status können unbewusste Denk- und Verhaltensmuster verändert und neu erlernt werden.

Dadurch kann z.B. die Wahrnehmung belastender Symptome wie Schmerzen verändert und der Umgang damit erleichtert werden. Die Hypnotherapie arbeitet auch mit Entspannungstechniken und Phantasiereisen. Wenn speziell geschulte Therapeutinnen und Therapeuten sie durchführen, gilt die Hypnotherapie als sicheres Verfahren.

Patientinnen und Patienten können nach erfahrenen Hypnotherapeuiinnen oder -therapeuten mit einer entsprechenden Zusatzausbildung suchen. In Deutschland ist die Hypnotherapie eine von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannte Leistung. Daher kann es ein Qualitätskriterium sein, ob eine Therapeutin oder ein Therapeut die Behandlungskosten mit der Krankenkasse abrechnen kann.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Hypnotherapie

Medizinischer Cannabis und Cannabinoide wurden bei Schmerzen in klinischen Studien untersucht. Hierbei zeigten sich Anhaltspunkte für eine schmerzlindernde Wirksamkeit bei Nerven-bedingten Schmerzen bei Patientinnen und Patienten ohne Krebserkrankung. Eine Wirkung auf Tumorschmerzen bei Krebspatientinnen und Krebspatienten ist jedoch nicht gesichert. In der ESMO Leitlinie und in der Leitlinie zur Palliativmedizin (2020) werden deshalb keine Empfehlungen für den Einsatz von Cannabinoiden bei Schmerzen ausgesprochen. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Cannabinoide in diesem Zusammenhang nicht.

Medizinischer Cannabis und Abkömmlinge der Substanz (Cannabinoide) wirken individuell sehr unterschiedlich, können aber die Sinneswahrnehmungen verändern und verstärken. Die Arzneimittel werden in Form von Tabletten/Kapseln, Tee, als ölige oder alkoholische Lösung, als Spray zur Anwendung in der Mundhöhle oder als Inhalation hergestellt.

Als unerwünschte Wirkungen können u.a. Stimmungsänderungen (Euphorie/Dysphorie), Depression, Angst und Paranoia, Gefühl der Depersonalisation, Halluzinationen, Gedächtnisstörung, verschwommenes Sehen und Schwindel, niedrigen Blutdruck, Herzrasen und Mundtrockenheit auftreten. Auch die Verkehrstüchtigkeit kann eingeschränkt sein.

Als Gegenanzeige für die Anwendung von Cannabis gelten psychotische Erkrankungen oder die familiäre Vorbelastung für solche Erkrankungen. Schwangere, stillende Mütter sowie Männer und Frauen mit Kinderwunsch sollten aufgrund der unklaren Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und das Ungeborene keine Cannabis-Präparate einnehmen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich, weswegen die Einnahme mit dem Behandlungsteam abgesprochen werden sollte.

Medizinischer Cannabis ist über jede Apotheke in Deutschland mit einem entsprechenden Rezept erhältlich und sollte auch nur dort erworben werden. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, ob Cannabinoide für Sie in Frage kommen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Medizinischer Cannabis

Musiktherapie kann helfen, Schmerzen zu lindern. Hierfür gibt es Anhaltspunkte aus klinischen Studien. Die Leitlinien zur Komplementärmedizin (2021) und zur Psychoonkologie (2014) fassen die Musiktherapie unter „Kunsttherapie“ bzw. „künstlerische Therapien“ zusammen. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) gibt aufgrund der geringen Anzahl klinischer Studien keine Empfehlung für oder gegen Kunsttherapien. Die Leitlinie zur Psychoonkologie (2014) empfiehlt, Krebspatientinnen und -patienten künstlerische Therapien anzubieten.

Die Musiktherapie ist ein anerkanntes Therapieverfahren, das unterschiedliche Elemente wie das Spielen von Instrumenten, Singen, Komponieren und weitere Aspekte des Musizierens beinhaltet. Sie wird an die individuellen Bedürfnisse und musikalischen Präferenzen der behandelten Personen angepasst.

So kann je nach Schmerzlokalisation und -art die passende Musiktherapie gefunden werden. Die Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Musizieren im Hier und Jetzt hilft, innerlich Abstand zum Schmerz zu gewinnen. Zudem führt das Musizieren in der Einzelsitzung oder in der Gruppe zur Ausschüttung schmerzlindernder Botenstoffe (Endorphine) im Körper.

Eine Sitzung dauert in der Regel 30 bis 45 Minuten. Die Kosten hängen davon ab, in welchem Rahmen die Therapie erfolgt. In einigen Versorgungseinrichtungen werden Musiktherapie-Sitzungen nicht zusätzlich berechnet.

Patientinnen und Patienten können Anbieter über die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft finden oder sich bei ihrem Behandlungsteam erkundigen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:  Musiktherapie

Progressive Muskelrelaxation (PMR) kann dazu beitragen, die im Zuge einer Krebserkrankung und deren Behandlung auftretenden Schmerzen zu mindern. Eine Reihe von klinischen Studien geben Anhaltspunkte hierfür. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) und zur Supportiven Therapie (2020) erwähnen PMR nicht.

Eine Krebserkrankung und deren Behandlung geht häufig mit Ängsten einher.  Dabei kommt es zu einer Steigerung des aktivierenden Nervensystems (Sympathikus) und der vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin und Noradrenalin).

Durch Anspannung und Entspannung verschiedener Muskelgruppen des Körpers kann die Aktivität dieses Nervensystems auf ein angemessenes Niveau herunterreguliert werden. Dabei können Anspannungen und Ängste abgebaut werden. Progressive Muskelrelaxation ist leicht zu erlernen und kann dann selbst angewandt werden. PMR gilt als sicher.

Sicherheitsbedenken existieren lediglich in Bezug auf die Anwendung von PMR bei Patienten und Patientinnen mit einer psychiatrischen Vorerkrankung.

Patientinnen und Patienten können sich sowohl in den Kliniken, als auch ambulant bei ihrem Behandlungsteam über passende Angebote informieren und diese erlernen. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Anleitungen zum Selbstlernen und Anwenden z.B. auf Videoplattformen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Progressive Muskelrelaxation

Weitere Informationen

Yoga wurde bei Schmerzen bei Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen in klinischen Studien untersucht. Die Ergebnisse hierzu sind widersprüchlich, so dass keine gesicherte Aussage getroffen werden kann. Auch in der Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) wird Yoga in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.

Die Yoga-Praxis stammt ursprünglich aus Indien. Sie umfasst körperliche Übungen (Asanas), Atemübungen und Meditationsübungen. Man nimmt unter anderem an, dass die Ausübung von Yoga zu einer Verminderung des Stress-aktivierenden Nervensystems (Sympathikus) und einer Reduktion des Stresshormonspiegels führt. Die Übungen sind mit etwas Geduld gut erlernbar und können in den Alltag integriert werden. 

Sicherheitsbedenken gibt es wenige. Es ist wichtig, die Techniken richtig zu erlernen und sich nicht zu überschätzen. Bei falscher Ausführung können Muskeln und Gelenke überlastet und Nerven geschädigt werden. Operierte Körperregionen sind zu schonen. Daher sollte vor Beginn Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden.

Yoga kann sowohl in Online-Kursen oder mittels Bücher, als auch vor Ort in Yoga-Studios, Volkshochschulen, Fitnessstudios oder bei anderen Anbietern erlernt werden. Krankenkassen übernehmen teilweise die Kosten.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Yoga

Weitere Informationen

Verfahren aus der Behandlungspraxis

Derzeit sind keine Daten aus der Behandlungspraxis verfügbar.

Praktische Tipps und Informationen zum Weiterlesen

Beta-Care Ratgeber bei Schmerzen mit der Möglichkeit des Downloads von Schmerztagebüchern, Schmerzfragebogen und Opioidausweisen

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht und zuletzt am 3. August 2022 aktualisiert.


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