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Kompetenznetz KOKON

Appetitlosigkeit

Beschreibung

Im Verlauf einer Krebserkrankung oder während der Krebsbehandlung kann Appetitlosigkeit auftreten. Auch Ängste und Depressionen können Gründe für Appetitlosigkeit sein oder diese verstärken. Fachleute sprechen von „Inappetenz“. Die Betroffenen haben dabei ein eingeschränktes oder gar kein Bedürfnis zu essen und zu trinken, manchmal sogar einen Ekel davor. Nicht selten ist dies mit anderen Beschwerden wie Geschmacksveränderungen, Übelkeit und Völlegefühl verbunden. Da das gemeinsame Essen auch einen wichtigen sozialen Faktor bildet, können die Beschwerden psychisch zusätzlich belastend sein. Infolge der geringeren Nahrungsaufnahme können Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schwäche, Muskelabbau entstehen oder sogar eine Mangelernährung auftreten. 

Behandlung

Um Appetitmangel entgegenzuwirken, ist es zunächst wichtig, verstärkende Beschwerden wie Übelkeit, Geschmacksveränderungen oder Mundschleimhautentzündungen zu behandeln. Zur Appetitanregung können eine Reihe allgemeiner Maßnahmen versucht werden. Diese finden Sie unter 3.3. Die Leitlinie zur klinischen Ernährung (2015) empfiehlt eine Ernährungsberatung und in bestimmten Situationen appetitanregende Medikamente anzubieten. Weitere Informationen für Fachkreise finden Sie in der Leitlinie zur Klinischen Ernährung (2015).

Therapieverfahren der integrativen Onkologie

Zur Anregung des Appetits können Verfahren aus der integrativen Onkologie, z.B. traditionelle Behandlungsverfahren oder pflanzliche Heilmittel ergänzend eingesetzt werden.  Zu einigen gibt es Ergebnisse aus klinischen Studien, zu anderen fundierte fachliche Behandlungserfahrung. 


In klinischen Studien untersuchte Verfahren

Medizinischer Cannabis und Cannabinoide wurden bei Appetitlosigkeit im Rahmen der Krebstherapie in klinischen Studien untersucht. Aufgrund der geringen Anzahl an Studien spricht die ESPEN-Leitlinie keine Empfehlung für die Anwendung von Cannabinoiden aus, obwohl es einen ersten Anhaltspunkt für eine Verbesserung des Geschmackserlebens bei Krebspatientinnen und -patienten durch Dronabinol gibt. Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Cannabinoide in diesem Zusammenhang nicht.

Medizinischer Cannabis und Abkömmlinge der Substanz (Cannabinoide) wirken individuell sehr unterschiedlich. Sie können aber die Sinneswahrnehmungen verändern und verstärken, z.B. den Appetit steigern, das Geschmackserleben verbessern oder Übelkeit reduzieren. Die Arzneimittel werden in Form von Tabletten/Kapseln, Tee, als ölige oder alkoholische Lösung, als Spray zur Anwendung in der Mundhöhle oder als Inhalation hergestellt.

Als unerwünschte Wirkungen können u.a. Stimmungsänderungen (Euphorie/Dysphorie), Depression, Angst, ein Gefühl der Depersonalisation, Halluzinationen, Gedächtnisstörung, aber auch verschwommenes Sehen und Schwindel, niedriger Blutdruck, Herzrasen sowie Mundtrockenheit auftreten. Auch die Verkehrstüchtigkeit kann eingeschränkt sein.

Als Gegenanzeige für die Anwendung von Cannabis gelten psychotische Erkrankungen oder die familiäre Vorbelastung für solche Erkrankungen. Schwangere, stillende Mütter sowie Männer und Frauen mit Kinderwunsch sollten aufgrund der unklaren Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und das Ungeborene keine Cannabis-Präparate einnehmen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich, weswegen die Einnahme mit dem Behandlungsteam abgesprochen werden sollte.

Medizinischer Cannabis ist über jede Apotheke in Deutschland mit einem entsprechenden Rezept erhältlich und sollte auch nur dort erworben werden. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, ob Cannabinoide für Sie in Frage kommen.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Medizinischer Cannabis

Yoga wurde bei Appetitlosigkeit in klinischen Studien untersucht. Die Daten reichen derzeit nicht aus, um eine gesicherte Aussage zur Wirksamkeit zu treffen.  Die Leitlinie zur Komplementärmedizin (2021) erwähnt Yoga in diesem Zusammenhang nicht.

Die Yoga-Praxis stammt ursprünglich aus Indien. Sie umfasst körperliche Übungen (Asanas), Atemübungen und Meditationsübungen. Man nimmt unter anderem an, dass die Ausübung von Yoga zu einer Verminderung des Stress-aktivierenden Nervensystems (Sympathikus) und einer Reduktion des Stresshormonspiegels führt. Die Übungen sind mit etwas Geduld gut erlernbar und können in den Alltag integriert werden. 

Sicherheitsbedenken gibt es wenige. Es ist wichtig, die Techniken richtig zu erlernen und sich nicht zu überschätzen. Bei falscher Ausführung können Muskeln und Gelenke überlastet und Nerven geschädigt werden. Operierte Körperregionen sind zu schonen. Daher sollte vor Beginn Rücksprache mit dem Behandlungsteam gehalten werden. 

Yoga kann sowohl in Online-Kursen oder mittels Bücher, als auch vor Ort in Yoga Studios, Volkshochschulen, Fitnessstudios oder bei anderen Anbietern erlernt werden. Krankenkassen übernehmen teilweise die Kosten.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: Yoga

Weitere Informationen

Verfahren aus der Behandlungspraxis

Derzeit sind keine Daten aus der Behandlungspraxis verfügbar.

Praktische Tipps und Informationen zum Weiterlesen

Tipps bei Appetitlosigkeit und frühem Sättigungsgefühl CCC Ulm PDF, 1.29 MB

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht und zuletzt am 2. August 2022 aktualisiert.


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